Europa tanzt inklusiv in Münster

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Tanzen als internationale, universelle Sprache

Flashmob Münster City (Foto: Johannes Symalla)

„Dancing is an international language, everybody can dance“ – dieses Fazit schrieben die rund 150 Teilnehmer der internationalen Tanzbegegnung aus den Niederlanden, Polen und Deutschland auf das Flipchart im Stadtweinhaus von Münster. „Europa tanzt inklusiv“ wurde initiiert und
ausgerichtet vom Tanzsportverein Die Residenz Münster e.V. und dem Büro Internationales der Stadt Münster. 

Tänzerische Begegnung: Workshops, Flashmob und mehr

Tanzpaare mit mentalen Handicaps aus Polen und Deutschland, holländische und deutsche Rollstuhltanzpaare und Tanzbegeisterte ohne Handicap – alle verbindet die Leidenschaft für den Tanz. Daher stellten sich alle Gruppen gleich beim ersten Treffen im Tanzsportzentrum Die Residenz Münster e.V. tänzerisch vor. Gemeinsam übten alle einen Flashmobtanz, um damit später zusammen mit vielen weiteren Tanzbegeisterten die Innenstadt von Münster zu flashen. Nach dem anschließenden Empfang im Festsaal des Stadtweinhauses tauschten die Teilnehmer mehrsprachig in Workshops Erfahrungen aus und stellten Schritte und Wünsche auf dem Weg zur Inklusion in Europa zusammen. Mit einem Stadtrundgang und Besuch im historischen Friedenssaal des Rathauses endete dieser erlebnisreiche Tag.

Grenzübergreifende, barrierefreie Tanzwettbewerbe

Ganz im Zeichen des Tanzsports stand der zweite Tag der Begegnung. Herr Dr. Reinink eröffnete in Vertretung der Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz, die inklusiven Tanzwettbewerbe. Schnell eroberten die 28 Tanzpaare mit mentalen Handicaps die Fläche, darunter auch acht polnische Paare. Das Treppchen mit den drei Erstplatzierten war in der Kombiklasse (ein Partner mit Handicap, ein Partner ohne) fest in polnischer Hand. Die Duo-Klasse (beide Partner mit Handicap) gewannen im B-Finale Steffen Vosskuhle und Lena Schöpker (TC Hummelflug Emsdetten) und im A-Finale Stefan Eilers und Andrea Lanwes (TC Hummelflug Emsdetten). Die Paare mit mentalen Handicaps zeigten ihre Tänze moderiert und angefeuert von Udo Dumbeck, Vorsitzender von Tanzen Inklusiv in Nordrhein-Westfalen, der für die weiteren Turniere das Mikrofon an Juliane Pladek-Stille übergab. Die „Fußgänger“-Breitensportpaare gingen anschließend in zwei Altersgruppen in den Standardtänzen Langsamer Walzer, Tango und Quickstep an den Start. In der Altersgruppe unter 35 Jahre sicherten sich Marian Madeia und Kristin Bahn (TSG Phönix Greven) den Sieg, während Christian und Micaela Schmalisch (Die Residenz Münster) die ältere Gruppe dominierten. Für die „Rolli“-Breitensportpaare waren zwei Standardtänze und zwei lateinamerikanische Tänze vorgeschrieben. Auch hier gibt es zwei Gruppen: Bei den Duo-Paaren tanzen zwei Rollstuhltänzer zusammen, während im Kombi-Wettbewerb Paare aus „Fußgänger“ und „Rolli“ zusammengestellt sind. Der Duo-Tanz ist eine Domäne der niederländischen Paare, die somit in allen Duo Wettbewerben Sieger und Platzierte stellten. In der offenen Kombi-Klasse (A) siegten André und Marina Eichhorn (BSC Rollers Zwickau).

Das Pendant zu den Turnierpaaren ohne Handicap sind die Rollstuhltanzpaare der Leistungsklasse oder High Class. Duo- und Kombipaare tanzen hier die fünf Standard- oder Lateinamerikanischen Tänze. Die Klassifizierung in LWD 1 (Level Wheelchair Dancing) und LWD 2 berücksichtigt das individuelle Handicap.
Im Standardturnier erreichten als einzige deutsche Teilnehmer in der LWD 1 Thomas Laschke und Alina Meissner (TC Seidenstadt Krefeld) den zweiten Platz. Im entsprechenden Lateinturnier waren ihnen der Sieg und damit die Goldmedaillen nicht zu nehmen. Stefan Laschke und Vanessa Zellmann ließen sich selbst durch einen Motorschaden nicht ausbremsen, sondern baten um etwas Aufschub, organisierten die Weiterfahrt nach Münster mit einem Leihwagen und tanzten im Lateinturnier (Kombi LWD 2) auf den ersten Platz. Viele Paare – auch aus den Niederlanden – sind bereits „Stammgäste“ in Münster. Ihre Fans sorgten mit lautem Applaus und begeisterten Anfeuerungsrufen für eine besondere Wettkampf-Atmosphäre im vollbesetzten Tanzsportzentrum. Ob am Parkettrand oder auf der Fläche, die Stimmung war hervorragend und der Wiener Walzer „Tulpen aus Amsterdam“ wurde zur Begleitung gleich in vier europäischen Sprachen mitgesungen. Beim Cha-Cha-Cha-Cup gingen schließlich Paare mit mentalen Handicaps, Breitensportpaare und Rollstuhltanzpaare aus den Duo- und Kombigruppen ganz inklusiv gemeinsam auf die Fläche. Sehr gut repräsentiert wurden in diesem Wettbewerb die Tanzpaare mit mentalen Handicaps von Stefan Eilers / Andrea Lanwes (TC Hummelflug Emsdetten), die mit einer Siegertrophäe belohnt wurden. André und Marina Eichhorn (BSC Rollers Zwickau) nahmen den Cup für die Rollstuhltanzpaare mit nach Zwickau. Den Cha-Cha-Cha-Cup der Breitensportpaare ohne Handicap gewannen bei den jüngeren Paaren Marian Madeia / Kristin Bahn (TSG Phönix Greven) und in der zweiten Altersgruppe Michael Berning und Martina Kahlhofer (Die Residenz Münster).
Mit einem getanzten Geburtstagsmedley feierten Teilnehmer und Zuschauer spontan den Geburtstag eines niederländischen Gastes. Nach einem Schautanz der polnischen Gruppe trafen sich zum Abschluss Teilnehmer und Gäste zu einem Squaredance und tanzten noch einmal gemeinsam den Flashmobtanz.
Bei der Siegerehrung traten die erreichten Platzierungen fast in den Hintergrund, denn gewonnen haben in dieser barrierefreien, grenzübergreifenden Begegnung alle – so wie es ein Teilnehmer am Vortag als Wunsch ausgedrückt hatte: „More days like this“.

 

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Quelle:tnw.de/tanz mit uns