- Werbung -

Kombilehrgang Latein

In den Clubräumen des TD-TSC Düsseldorf Rot-Weiß fand am 19. und 20. Januar der Kombilehrgang Latein statt. Bundestrainer Horst Beer, Verbandstrainerin Alice-Marlene Schlögl und Verbandstrainerin und Landestrainerin TNW Petra Matschullat-Horn referierten fachlich über das Jahresthema im DTV 1+1=1. Unterstützt durch die TNW-Spitzenpaare wurde für die Wertungsrichter, Trainer und Kaderpaare / Paare das Thema in allen lateinamerikanischen Tänzen, harmonisch abgestimmt von den Referenten, mit verschiedenen Schwerpunkten bearbeitet. Die Special Guest Lecture hielt zum 3. Mal in Folge Barbara Nagode Ambroz aus Slowenien und präsentierte mit kubanischem „Touch“ ihre Auffassung von 1+1=1. Überfachliche arbeitete Markus Bauchrowitz (Mentaltrainer) mit den Kaderpaaren / Paaren. Eingesprungen für Katharina Winters-Ohle, referierte Oliver Kästle (Sportwissenschaft) bei den Wertungsrichtern und Paaren. Benjamin Hirsch erläuterte den Wertungsrichtern das Turnierkontrollwesen. Im Rahmen des Lehrganges fand ein offenes B-Latein-Turnier mit sechs Paaren statt. Die Wertungsrichter hatten die Möglichkeit praktisch tätig zu werden und sich in der anschließenden Diskussion, geleitet von Petra Matschullat-Horn, auszutauschen.

Horst Beer
Lecture: „Für mich bedeutet 1+1=1, dass zwei Menschen zusammen tanzen, und nicht jeder für sich alleine.“ Horst Beer möchte an traditionellen Werten festhalten, wohl wissend, dass sich das Tanzen immer mehr zum reinen Sport entwickelt. Viele Dinge, die vor 20 Jahren wichtig waren, sind auch heute noch wichtig. Während es früher oft hieß „Mach einfach mal.“, ist heute viel mehr Wissen vorhanden. Jede Bewegung ist durchdacht, die Feinmotorik hat enorm zugenommen. Eine perfekte Technik ist wichtig, aber auch die Demonstration der für den jeweiligen Tanz charakteristischen Aktionen. Grundvoraussetzung ist die Verbindung zum Boden. In den Boden tanzen, aber gleichzeitig den Körper strecken. Unterstützt wurde Horst Beer von den Demonstrationspaaren Artur Balandin/Anna Salita, Vinzenz Dörlitz/Albena Daskalova und Philip Andraus/Virginia Lesniak, die Basic Figuren in Perfektion in der Samba zeigten. Fortgeschrittene Samba-Figuren erklärte Horst Beer mit Hilfe der Paare, die sie in ihren eigenen Choreografien dann präsentierten. Horst Beer betonte, dass wir zwar sportliche Körper sehen möchten, nicht aber die körperliche Anstrengung.
Paare: Horst Beer vertiefte seine Ausführungen aus seiner Eröffnungslecture. Körperrhythmus, Timing in den Beinen verbesserte er anhand einer anspruchsvollen Cha Cha Cha – Choreografie. Fußpositionen, Rückenaktionen, Schultergürtelaktionen, Armbewegungen und Hüftaktionen optiemierte er.
Wertungsrichter: Die Jugend A-Latein-Paare Daniel Müller/Anna Gommer, David Jenner/Elisabeth Tuigunov, Igor Ionel/Rita Schumichin und Alesandro Novikau/Anastasia Dittmar präsentierten ihre Programme in Samba, Cha Cha Cha und Jive. Horst Beer analysierte ausführlich und sehr anschaulich die Bewegungen in den einzelnen Sequenzen. Er forderte die Wertungsrichter immer wieder auf, mehr auf die Details zu achten wie z. B. keine eingedrehten Füße in Voltas zu tolerieren!
Horst Beer trat positiv, freundlich und motivierend auf, hob unabhängig von seinen Anmerkungen von zu verbessernden Dingen stark die positiven Qualitäten der Paare hervor und unterrichtete sehr unterhaltsam.

Alice-Marlene Schlögl
Lecture: „1 + 1 = Mehrwert.“ stand für Alice-Marlene Schlögel im Fokus. Zwei Menschen, die miteinander tanzen, sind mehr als zwei: Sie sind im Idealfall eine Einheit. Sie erläuterte anhand der Rumba, dass guter Körperaufbau die Grundvoraussetzung ist – nicht nur für den eigenen Körper, sondern auch für das Tanzpaar. Sie veranschaulichte das am Beispiel von zwei Dreiecken, die mit den Spitzen aufeinander stehen: Zwischen den Füßen ist Raum, zu den Körpermitten verjüngt er sich, die oberen Rippen sind auseinander, die Schultern tendieren nach unten, und oben dehnen sich die zwei Tänzer in den freien Raum aus.
Alice-Marlene Schlögl beschrieb in ihrem Vortrag ausführlich, welche Ideen sie vom Lateintanzen hat: „Ohne Gewichtsverlagerung ist keine Bewegung möglich.“, „Besonders in offenen Figuren ist Nonverbale Kommunikation absolut notwendig.“, „Der gemeinsame Körperaufbau eines Tanzpaares ist wie ein gebautes Haus mit einem Dach.“
Während ihre Demopaare Artur Balandin/Anna Salita, Philip Andraus/Virginia Lesniak und Ilja Kubrin/Daria Kolomitzki in „Slow Motion“ vortanzten, kommentierte sie nahezu alle Bewegungen und beschrieb sehr anschaulich, was sich währenddessen in den Körpern abspielte. Spätestens jetzt wussten die Zuschauer, dass das Bewusstsein für den eigenen Körper und für den des Partners wichtig ist, um miteinander zu tanzen. Sie schloss eine ihrer Unterrichtsstunden mit den einprägsamen und allgemeingültigen Worten: „Ich versuche die Stärken der Tänzer zu stärken.“
Paare: Alice-Marlene Schlögl unterrichtete ihre Prinzipien anhand einer Samba Übungsfolge und in der Figur „Sliding Doors“ in der Rumba.

Petra Matschullat-Horn
Lecture: Über „Das Paar + Technik = 1“ referierte Petra Matschullat-Horn mit dem Paar Vinzenz Dörlitz/Albena Daskalova. Die Technik der Oberkörperbewegung stand im Vordergrund. Die Begriffe Translation (Brustkorb vorwärts, rückwärts, seitwärts oder diagonal nach links und nach rechts), Squeeze (Schulter nähert sich Hüfte), Rotation (Rotation der Schultern in Relation zum unteren Torso) wurden vorgestellt. Nur mit dieser Technik und der daraus resultierenden eigenen Verbindung im Körper ist eine Verbindung im Paar möglich. Das Paar demonstrierte sehr deutlich diese Verbindung in der Basic und ihrer eigenen Rumba-Choreographie. „Das Paar + Körperhaltung = 1“ stand im Paso Doble von Petra Matschullat-Horn im Fokus. Der „Appell“ (WDSF Technik) wurde ausführlich erklärt und mit dem Demonstrationspaar David Ovsievich/Katarina Stefkova stellte Petra Matschullat-Horn eine Syllabus WDSF Paso Doble Choreographie für die B-Klasse bis zum 1. Höhepunkt vor. Artur Balandin/Anna Salita demonstrierten für Petra Matschullat-Horn „Das Paar + Charakteristik = 1“ Die Unterschiede von Swing Jive und Jumping Jive wurden in der Rockbewegung und im Chasse erläutert und in ihrer eigenen Choreographie von Artur Balandin/Anna Salita hervorragend dargeboten. Der Abschluss beinhaltete einen gemeinsamen Cha Cha Cha der drei Paare mit dem Thema „Herr + Dame = Paar“ (Emotion, Fokus).
Paare: Petra Matschullat-Horn unterrichtet die Prinzipien der Vorwärts,- Rückwärts,- und Seitwärtschritte in einer Rumba (Übungsfolge). Körperaufbau, Twists und Chasse Cape im Paso Doble wurden verbessert. Eine Solo Jive-Folge mit Swing und Jumping Jive-Elementen war für alle Paare vorbereitet. Das Thema „Herr + Dame = Paar“ (Emotion, Fokus) wurde bei den Kaderpaaren aufgegriffen.
Wertungsrichter/Trainer: Petra Matschullat-Horn informierte unterstützt von Daniel Müller/Anna Gommer über die WDSF Technik Bücher und stellte neue Begrifflichkeiten vor. Sie erklärte die „Couple Position“, die nun für jeden Schritt in allen Figuren definiert werden kann. Die Aktion „Figur 8“ wurde in der Rumba in der Figur Open Hip Twist im „Forward Walk Turn“ erklärt. Petra Matschullat-Horn gab ein Update über den Figurenkatalog. z.B. darf der Herr in der Figur „Chicken Walks“ nun auch einen „Kick Ball Change“ tanzen. Die Wertungsrichter und Trainer hatten auch Gelegenheit, selber einen Rumba Open Hip Twist in der Basic-Version und in der Version, wie er in der heutigen Zeit von fortgeschrittenen Paaren getanzt wird, mit „Overbalance“, zu tanzen.
Wertungsrichter: Der D2 Kader mit B- und A-Klassen-Paaren präsentierte vorbereitete Folgen in Cha Cha Cha, Paso Doble und Jive für die Wertungsrichter, damit sie anhand identischer Choreographien vergleichen konnten.

Barbara Nagode Ambroz
Zum dritten Mal war Barbara Nagode Ambroz beim Kombilehrgang. Die Slowenin begeisterte erneut durch ihre offene und emotional mitreißende Art. „Partnering“ ist ein gemeinsam geführter Dialog und eine Möglichkeit, die Herr und Dame nutzen sollten und müssen, um zusammen zu tanzen. Der Dialog wird während des Tanzens ständig weitergeführt. Dabei hat jeder Partner sowohl weibliche als auch männliche Komponenten, und während des Tanzens vermischt sich alles zu einer Einheit. Sehr interessant waren ihre Ausführungen, Bewegungen minimal in der Geschwindigkeit zu verändern und dadurch individuelle Möglichkeiten zu schaffen, Tanzen lebendig zu gestalten.
„Was bringen Korrektheit und Regeln, wenn sie das Tanzen nicht besser machen?“ fragte sie und ließ Artur Balandin/Anna Salita, Vinzenz Dörlitz/Albena Daskalova und Ilja Kubrin/Daria Kolomitzki zwei Versionen tanzen: Ihre eigene Version und eine Version mit kleinen Differenzen im Timing. Die Unterschiede waren deutlich zu sehen. „Ich habe von meinen Schülern viel mehr gelernt als von meinen Lehrern.“ meinte sie und erhielt für Ihre gelungene Gastlecture Standing Ovation.

Oliver Kästle
Wertungsrichter / Trainer: Oliver Kästle referierte über die Entwicklung und die Unterschiede zwischen den Lateintechniken von Walter Laird und der ISTD (Imperial Society of Teachers of Dancing). In Deutschland wurde bis 1988 nach der ISTD-Technik und seitdem nach der Laird-Technik ausgebildet. Im englischen Ausbildungssystem werden nach wie vor beide Techniken von den jeweiligen Verbänden unterrichtet. Seit 2018 ergänzen die Technik-Bücher der WDSF auch in Deutschland in der Lehre und Ausbildung die bisherige Ausbildungsliteratur. Da diese Bücher beide Techniken, zusätzliche Figuren und auch neue Technik-Definitionen beinhalten, sollten Trainer und auch Wertungsrichter über Unterschiede und verschiedene Möglichkeiten der tänzerischen Ausführung informiert sein.

Markus Bauchrowitz
Markus Bauchrowitz besprach in seiner überfachlichen Lecture mit den Paaren, was sie beim Tanzen stört und behindert. Der Mentaltrainer und -coach erläuterte die verschiedenen Formen von Stress und dessen Auswirkung auf das Gehirn. Mit der „Wing Wave“ – Methode kann man Stress sichtbar machen: Dabei bildet die zu coachende Person mit maximaler Kraft einen Ring mit Daumen und Zeigefinger. Mit gezielten Fragen arbeitet sich der Coach zu den einzelnen Problemthemen vor. Hat das Unterbewusstsein mit einer Aussage oder einer Frage Stress, kann man die Finger nicht zusammenhalten, wenn jemand daran zieht. Sobald der Knackpunkt im Kopf gefunden ist, „winkt“ der Coach mit den Fingern vor dem Gesicht der Person, während diese den Fingern horizontal mit den Augen hin und her folgt. Dadurch wird eine „wache“ REM-Schlafphase herbeigeführt und dem Kopf so die Möglichkeit gegeben, Stress abzubauen.
Er führte vor, wie jeder kurzfristig Stress reduzieren kann, zum Beispiel die Hände überkreuz auf die Oberschenkel legen und klopfen, oder mit den Augen „die Decke wischen“, also nach oben abwechselnd nach links und nach rechts schauen.

Benjamin Hirsch
Benny Hirsch informierte über das Turnierkontrollwesen und zeigte an zahlreichen Beispielen aus den vergangenen zwei Jahren, welche Fehler beim Ausfüllen von Wertungsrichterzetteln gemacht werden: Zum Teil fehlen Nullen (wenn keine Kreuze vergeben wurden) oder gar die gesamte Addition oder es wurde falsch addiert oder die Zettel sind so unübersichtlich beschrieben, dass die Schrift kaum zu entziffern ist. Ungefähr die Hälfte aller geprüften Wertungsrichterzettel sind nicht fehlerfrei!

B-Latein – Turnier
Sechs Paare tanzten einen „General Look“ und eine Endrunde. Anschließend gab es eine lockere Diskussion über das Turnierergebnis. Dabei zeigte sich, dass das Fachpublikum sich durchaus ein anderes Turnierergebnis hätte vorstellen können. In der Ausrechenpause tanzten die Deutschen Meister und die Deutschen Vizemeister im Rollstuhltanzen Rumba, Jive und Samba. Trainer, Wertungsrichter und Paare honorierten die gezeigten Leistungen mit großem Applaus.

Fotos: Georg Fleischer

zurück

Quelle:tnw.de/tanz mit uns